Junge Stars mit harter Geschichte - Hörner erschallt gegen Gewalt
Mit Musik und Jagd das Leben meistern
Ein Haus voller Kinder: Sie alle haben eine bedrückende Geschichte.
Wenn sie dennoch nicht vor die Hunde gehen, sondern ihren eigenen erfolgreichen
Weg gehen, so hat das nicht zuletzt mit dreierlei zu tun: mit Musik,
Erfolg und einem Jäger. Musikpädagogik mit therapeutischem
Hintergrund.
Über den umtriebigen Leiter des Kinderheimes könnte man sagen:
Der Mann hat 20 Kinder und von Beruf ist er Vater, Kumpel und Jäger
zugleich. Konkret sieht das so aus, dass er seit 28 Jahren täglich
versucht den Kindern dass zu sein, was ihre leibliche Eltern ihnen nicht
waren: verlässlicher Partner, Erzieher und Autorität. Vor
28 Jahren gründete Peter Weidlich im münsterländischen
Emsdetten das "Heilpädagogische Kinderheim Weidlich".
Dort vertraut ihm das Jugendamt Kinder und Jugendliche an, denen in
unterschiedlichen Formen Gewalt angetan wurde, die, wie er sagt, "mit
verletzten und zerstörten Seelen" zu ihm kommen.
Was menschliche Kälte bedeutet, haben die Kinder dieses Heimes
mehr als verkraftbar erfahren. Mit Hilfe der Musik lässt Peter
Weidlich sie erfahren, was menschliche Ergriffenheit bedeutet. Er hat
mit ihnen zusammen ein Hornbläser-Ensemble gegründet, das
überall wo es auftritt, außergewöhnliche Erfolge feiert.
Die Qualität ihrer Hornmusik ist so überzeugend geworden,
dass sie europaweit Konzerte veranstalten und Gottesdienste in großen
Kirchen (z.B. in den Domen von Fulda, Münster, Paderborn und Lübeck
etc.) musikalisch gestalten.

Hornbläser-Ensemble Emsdetten
Die Kinder registrieren, wenn ihre Musik bei den Zuhörern vor
lauter Ergriffenheit Tränen hervorruft. Sie erleben, dass sie,
die sonst so diskriminierten Heimkinder, etwas können und geachtet
werden. Und sie spüren, wie sie Menschen mit ihren gekonnten Klängen
glücklich machen. Stellvertretend für viele Heimkinder die
misshandelt und erniedrigt wurden musizieren sie.
Mittlerweile hat das Orchester mit seinem Dirigenten Walter Müller
die dritte CD produziert. Auf Ventil-, Wald- und Parforcehörnern
sowie mit Kesselpauke präsentieren die jungen Musiker in ungewöhnlich
perfektionierter Weise ein Repertoire aus Volks- und Jagdmusik. Der
komplette Erlös aus dem Verkauf der CDs hilft den Kindern beim
Start nach der Entlassung aus der Jugendhilfe, denn jeder Musiker bekommt
einen bestimmten Prozentsatz pro verkaufter CD auf ein Sparbuch überwiesen.
Drei Größen - die Musik, die Kunst, und das Erleben von
Natur - gibt den Kindern und Jugendlichen die Kraft, ihren eigenen Wert
innerhalb unserer Gesellschaft zu erarbeiten und darüber hinaus
ihrem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Gerade für "Heimkinder",
aber auch für andere Kinder, ist es nicht selbstverständlich,
dass sie so intensiv und zuverlässig das Hornspielen pflegen und
sogar die Herausgabe von CD's realsiert haben.
Die BJV-Kreisgruppe Lohr a. Main hat von diesem Kinderheim erfahren
und das Jagdhornbläser-Ensemble
mit ihren Betreuern für ein Wochenende nach Lohr eingeladen.
Die BJV-Vorstandschaft hat sich entschieden, statt einer kostenintensiven
Jubiläumsfeier - die BJV-Kreisgruppe Lohr a.Main wurde 125
Jahre alt - das Geld dafür den Heimkindern zugute kommen zu
lassen.
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