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Die Zahl des Rotwildes hatte sich um die Jahrhundertwende auch im Spessart
und um Lohr bemerkenswert angehoben, natürlich waren Wildschäden
vorprogrammiert und die betroffenen Landwirte beschwerten sich bei ihrem
Landtagsabgeordneten. Dessen Drohung, dies dem Landtag vorzubringen,
löste bei der Regierung von Unterfranken drakonische Maßnahmen
aus. 1905 wurde den Forstämtern mit scharfer Entschließung
anbefohlen jedes Stück Rotwild ohne Unterschied des Alters und
Geschlechtes abzuschießen und auch in den benachbarten Privatrevieren
dies zu befürworten.
1907 war fast das ganze Rotwild im Spessart wieder einmal nahezu ausgerottet.
Auch in Lohr lesen wir anlässlich einer Verpachtung im Jahre 1920:
"Rotwild ist nur noch als Wechselwild vorhanden".
1922 hieß es dann: "Am Schwebberg und Dickeron ist Rotwild
überhaupt nicht vorhanden, Rehwild zusammengeschrumpft und das
viele Schwarzwild macht großen Verdruss".
In der Folgezeit erholte sich der Rotwildbestand wieder.
1934 begann eine Rotwildhege nach dem Ausleseprinzip und es wurde nach
Abschussplänen - einer Neuerung des Reichsjagdgesetzes - bejagt.
Schwarzwild kam vor dem 1. Weltkrieg selten vor. In den Jahren 1919
- 1922 vermehrte es sich um ein Vierfaches, nachdem Wilderer die Mauern
des königlichen und fürstlichen Wildparks zerstört hatten.
1923 brach dann die Schweinepest aus, und dezimierte die Wildsauen
im südl. Spessart bis zur Bahnlinie Würzburg -Aschaffenburg.
1927 folgte ein erneuter Schweinepestzug
Damals nahm die Lohrer Presse regen Anteil und berichtete:
... am 14.4.1927: Wildsauen in Habichsthal. Die Jagd an einen
Frankfurter Herrn verpachtet, Polizeijagd erforderlich. Wäre die
Jagd in den Händen von Einheimischen...
... am 11.7.1927 Da die Schwarzborster wieder überall
Wildschaden verursachen, gehen ihnen die Jäger eifrig nach. Der
Gerichtsekretär Keller hatte Glück und konnte einer Wildsau
das Lebenslicht ausblasen.
Bedingt durch ein totales Jagdverbot nach dem Kriegsende am 8. Mai
1945 barsten die Wälder über vor Wild. Rotwild und Sauen überquerten
den Main um sich neue Lebensräume zu erschließen und wurden
von der hungernden und verarmten Bevölkerung beiderseits des Mains
getötet. Die Bevölkerung bewachte nachts in den Feldern die
Ernte vor dem Wild um die Früchte für ihre Ernährung
zu retten.
Die Rotwildbestände entwickelten sich nach dem Krieg in fast konstanten
Wellenbewegungen nach oben und unten. So schwankte der gesamte Rotwildabschuss
in der Hegegemeinschaft Spessart Nord auf einer Gesamtjagdfläche
von 43 000 ha durch die staatl. Forstämter und die Privatjagden
in den Jahren:
1966 |
169 |
1971 |
86 |
1977 |
334 |
1982 |
164 |
1989 |
320 |
1996 |
113 |
1999 |
60 |
Leider muss für die Vergangenheit festgestellt werden, dass die Reduktion
der zu hoher Wildbestände meist zu spät begonnen hat, aber auch
nach der Regulierung die hohen Reduktionsabschüsse zu spät gestoppt
wurden. Dies war eine insgesamt unbefriedigende Situation.
Vor diesem Hintergrund und zunehmender Fragen um die richtige Bewirtschaftung
des Rotwildes im Bayerischen Spessart, wurde der Fachbereich Wald- und
Forstwirtschaft der Fachhochschule Weihenstephan von der Bayerischen
Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft beauftragt, ein Rotwildbewirtschaftungskonzept
auf wissenschaftlicher Grundlage zu erstellen.
Mit dieser Aufgabe wurden Dr. Volker Zahner und Niels Hahn beauftragt,
die nach umfangreichen Vorarbeiten im Juli 2002 ein 140 Seiten umfassendes
wissenschaftliches Werk "Rotwildkonzept Bayerischer Spessart "
vorgelegt haben. Es ist zu wünschen, dass dieses Werk mit seinen
Ausführungen und Anregungen zur Bewirtschaftung des Rotwildes viele
Befürworter findet, die bereit sind dies auch in der Praxis umzusetzen,
damit unsere größte, bei uns vorkommende Schalenwildart die
Hege und Bewirtschaftung erfährt, die es verdient.
Wildbretverwertung einst und heute
Um die Jahrhundertwende (1900), so berichtet der Chronist, gab es reichlich
Rotwild, so dass es oft schwierig war es los zu werden. Dann bekam es
eben der Wildbrethändler Christoph Schnurr (Fahrradhaus Rüthlein
- Lohr), dessen Frau damit hausieren ging.
Auch um die Jahrtausendwende (2000) gab es reichlich Schwarzwild, sodass
2002 eine Wildvermarktungsinitiative Lohrer Wild aus Lohrer Wäldern
gegründet wurde.
Wie sich Zeiten immer wieder wiederholen
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